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Pantheon

Anubis: Wächter der Totenwelt und Herr der Mumifizierung

Katharina Neumann 7 Min. Lesezeit
Anubis-Schrein aus dem Grab des Tutanchamun, fotografiert 1926 von Harry Burton
Foto: Harry Burton (1879–1940), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Kaum eine ägyptische Gottheit ist außerhalb Ägyptens so bekannt wie Anubis – der schakalköpfige Wächter der Toten. Sein Erscheinungsbild mag auf den ersten Blick furchteinflößend wirken, doch in der ägyptischen Vorstellungswelt war Anubis vor allem ein fürsorglicher Beschützer, der den Übergang vom Leben in den Tod begleitete.

Herkunft und Erscheinungsbild

Anubis wird meist als Mann mit dem Kopf eines schwarzen Schakals oder Wildhundes dargestellt, seltener als vollständiges Tier, liegend auf einem Schrein. Die schwarze Farbe war dabei kein Hinweis auf das Tier selbst, sondern ein bewusstes Symbol: Schwarz stand in Ägypten für den fruchtbaren Nilschlamm und damit für Regeneration und neues Leben nach dem Tod.

Wilde Hunde und Schakale streiften häufig durch die Wüstenrandgebiete, in denen sich die Nekropolen befanden. Anstatt dies als Bedrohung zu deuten, verwandelten die Ägypter das Bild in sein Gegenteil: Anubis wurde zum Beschützer der Gräber erhoben, der über die Ruhe der Toten wachte.

Anubis und die Mumifizierung

Als Herr der Einbalsamierung überwachte Anubis der Überlieferung nach den gesamten Mumifizierungsprozess. Priester, die die Einbalsamierung durchführten, trugen bei bestimmten Ritualen Masken mit Schakalkopf, um während der Zeremonie die Rolle des Gottes selbst einzunehmen.

Zahlreiche Grabmalereien zeigen Anubis dabei, wie er sich über die Mumie eines Verstorbenen beugt – eine Szene, die den Moment der rituellen Vorbereitung auf das Jenseits festhält und die enge Verbindung zwischen Gott und Bestattungspraxis verdeutlicht.

Die Rolle im Totengericht

Auch beim entscheidenden Moment nach dem Tod, der Herzwägung vor Osiris, spielte Anubis eine zentrale Rolle: Er führte den Verstorbenen zur Waage, legte das Herz auf die eine Waagschale und die Feder der Maat auf die andere und überwachte den Ausgleich beider Seiten. Erst wenn die Waage im Gleichgewicht blieb, durfte die Seele ins Reich der Seligen eintreten.

Von Sohn der Nephthys zum Wächter der Nekropolen

Die genaue Abstammung des Anubis variiert je nach Quelle und Epoche. In älteren Traditionen gilt er als Sohn des Ra, in späteren Mythen als Sohn der Nephthys und – je nach Version – des Osiris oder des Seth. Mit dem Aufstieg des Osiris-Kultes trat Anubis zunehmend in dessen Dienst und wurde zum treuen Wächter des Totenreichs, ohne seine eigenständige Verehrung zu verlieren.

Der Fund im Grab des Tutanchamun

Einen der bekanntesten materiellen Zeugnisse des Anubis-Kultes entdeckte Howard Carter 1922 im Grab des Tutanchamun: einen vergoldeten Schrein mit der liegenden Statue des Anubis, der über der Schatzkammer wachte. Die Fotografien, die der Ausgrabungsfotograf Harry Burton 1926 von diesem Fund anfertigte, zählen bis heute zu den eindrucksvollsten Bilddokumenten der ägyptischen Archäologie.

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Im virtuellen Vortrag „Die Götterwelt des Alten Ägypten" ordnet Katharina Neumann die Zusammenhänge zwischen den Göttern ein – alternativ als Nachschlagehilfe die vollständige Götter-Mindmap als PDF.

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